Historischer Verein: Der Runde Tisch 1989/1900
Runde Tische weisen eine lange kulturgeschichtliche Tradition auf. Überliefert von der ritterlichen Tafelrunde stand die Idee der Gleichwertigkeit von Gesprächspartnern im Mittelpunkt, die in der Metapher des Kreises, der Runde, zum Ausdruck kommt. Als politische Institution forderte man Runde Tische immer dann ein, wenn gesellschaftliche Gruppierungen kontroverse Meinungen austauschen wollten. Es geht darum, trotz ungleicher Ausgangsinteressen eine Einigung zu erzielen. Sie drücken den Willen zum Konsens bei aktuellem Dissens aus.
In den Umbruchsjahren 1989/90 entstanden Runde Tische in sechs von sieben ost- und mitteleuropäischer Staaten.
In Brandenburg (H.) griff am 14. Dezember 1989 der ökumenische Vorbereitungskreis der „Gebete für unser Land“ die Idee des Runden Tisches RT als Dialogforum während der politischen Wende in der DDR auf. Im Auftrag des Vorbereitungskreises luden die Dompfarrerin Cornelia Radeke und der Kaplan der Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Bernd Krause Vertreter der Parteien u. Bürgerrechtsgruppen, der Presse u. des Rechtsanwaltskollegiums zu einem RT für die Stadt ein. Anlass war die „Sorge um die Situation in unserer Stadt“. Der RT sollte als beratendes u. kontrollierendes Gremium tätig sein, das die Öffentlichkeit der Stadt vertrat u. informierte. Am 19. Dez. 1989 konstituierte sich dieser regionale Runde Tisch für Brandenburg in den Räumen der kath. Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit. Insgesamt tagte der RT zwischen Dezember 1989 u. April 1990 achtmal. Auf seiner letzten Sitzung am 4. April 1990, vor der Kommunalwahl am 6. Mai 1990, stellte er seine Arbeit offiziell ein, da die neu gewählte SVV dann seine Aufgaben übernehmen sollte.
In diesem Vortrag geht es um den regionalen Runden Tisch in der Stadt Brandenburg (H) als vorparlamentarisches Gremium im Prozess der Friedlichen Revolution 1989/90 in der DDR.
Foto: repro R.-S. Rabe
Veranstalter
14770 Brandenburg an der Havel