Hüttenmann, Kunstgießer, Bildhauer: Klaus Cenkier
Heute um 14 Uhr eröffnet das Industriemuseum Brandenburg im Rahmen des Museumsaktionstages „Feuer und Flamme“ eine Ausstellung zum Leben und Werk des Bildhauers und Kunstgießers Klaus Cenkier (1956–2025). Die Ausstellung würdigt einen Künstler und Handwerker, dessen Lebensweg eng mit der Geschichte der Region und der Tradition der Metallverarbeitung verbunden war. Geboren in Ziesar, begann Klaus Cenkier 1972 seine Ausbildung zum Hüttenwerker im Stahl- und Walzwerk Brandenburg. Dass die Ausstellung ausgerechnet in der Stahlwerkshalle des ehemaligen Werkes gezeigt wird, verleiht ihr eine besondere Bedeutung: Sie kehrt an den Ort zurück, an dem sein beruflicher Weg vor mehr als fünf Jahrzehnten seinen Anfang nahm.
Nach seiner Ausbildung arbeitete Klaus Cenkier zunächst als Eisengießer, bevor er sich in renommierten Kunstgießereien in Berlin und Dresden zum Former, Gießer und Ziseleur weiterentwickelte. 1991 legte er die Prüfung zum Gießereimechaniker im Handformguss vor der IHK Berlin ab und gründete in seiner Heimatstadt Ziesar eine eigene Kunstgießerei. Von dort aus schuf er über viele Jahre hinweg Skulpturen und Gussarbeiten und engagierte sich zugleich für die Weitergabe seines Wissens. Seine Arbeit führte ihn zu internationalen Projekten und Symposien, unter anderem nach Santiago de Cuba, an die Universität Bonn sowie zum Technikmuseum Magdeburg. Für seine Verdienste um das Kunstgießerhandwerk wurde er als „Ehrengießer“ der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ausgezeichnet.
Die Ausstellung zeichnet die außergewöhnliche Entwicklung vom Hüttenwerker zum anerkannten Bildhauer und Kunstgießer nach und präsentiert Werke, Dokumente und Einblicke in sein künstlerisches Schaffen. Sie erzählt von handwerklicher Präzision, kreativer Leidenschaft und einer lebenslangen Verbundenheit mit dem Werkstoff Metall. Gleichzeitig erinnert sie an einen Menschen, der die Tradition des Gießereihandwerks bewahrte und weiterentwickelte. Die Ausstellungseröffnung am 24. Oktober 2026 lädt dazu ein, Klaus Cenkiers Lebenswerk an jenem Ort neu zu entdecken, an dem seine Geschichte begann.
Die Ausstellungseröffnung wird eingerahmt von Live-Musik der Brandenburger Band „The Rubix“ und einem vielfältigen Programm rund um das Thema Metallguss und Up-Cycling.
Der Eintritt ist frei - das Rahmenprogramm des Museumsaktionstages bietet weitere Attraktionen und auch für Speisen und Getränke wird gesorgt.
Die Ausstellung wird bis zum Ende des Jahres zu sehen sein.
Klaus Cenkiers Bronzen entfalten ihre besondere Wirkung erst im Material selbst: Bronze macht Strukturen und Oberflächen sichtbar und eröffnet durch Patinierung ein vielfältiges Farbspiel von Kupferoxidgrün über Braun und Schwarz bis zu Ziegelrot und metallisch schimmernden Tönen. Polierte Flächen kontrastieren mit rauen, strukturierten Partien. Die natürlichen Farben wirken harmonisch und zugleich archaisch.
Cenkiers Werke erinnern an Kultobjekte untergegangener Kulturen. Titel wie „Mondhaus“, „Mondsegel“, „Mitternachtssonne“ oder „Urkraft“ verstärken den Eindruck mythischer Tiefe. Seine stark reduzierten Formen lassen vielfältige Assoziationen zu: Sie erinnern an Blüten, Gefäße, technische Konstruktionen, Architektur oder Pflanzen. Ein einfacher Knick kann zur Sensation werden. Gerade die Offenheit der Formen hält die Spannung zwischen konkretem Gegenstand und freier Vorstellung aufrecht.
Besonders „Urkraft“ wirkt zugleich technoid, organisch und unheimlich, während andere Arbeiten zwischen Natur und Architektur vermitteln. Die Bronzen erscheinen schließlich wie Modelle monumentaler Entwürfe – geschaffen, um eines Tages in vielfacher Größe zu beeindruckenden Skulpturen zu wachsen.
Foto: Michael Rennack, Angela Felsch, Bernd Streiter
Kontakt
Tel. 0 33 81 - 30 46 46Fax 0 33 81 - 30 46 48
Mail kontakt@industriemuseum-brb.de
Web https://www.industriemuseum-brandenburg.de
Veranstalter
14770 Brandenburg an der Havel
Veranstaltungsort