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Archäotechnica

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Archäotechnica

Bildung, Vortrag, Führung, Highlight, Kunst

Menschen in der mittelalterlichen Stadt

Im Rahmen der Archäotechnica 2019 gehen wir der Frage nach, wie der Alltag hinter den schützenden Mauern einer mittelalterlichen Stadt aussah. Wem könnten wir bei einem Gang über den Markt, dem Zentrum einer mittelalterlichen Stadt, begegnet sein? Welche verschiedenen Lebensformen, Aktivitäten und Stimmungen gehörten zum urbanen Leben zwischen 1250 und 1500?

Bereits aus dem frühen Mittelalter kennen wir zahlreiche Städte, die in ein weitreichendes Handelsnetzwerk eingebunden waren und als weltliche, aber auch geistliche Zentren eine wichtige Rolle einnahmen. Viele dieser Städte, wie Köln oder Mainz, gehen auf römische Wurzeln zurück, doch kamen ab dem Hochmittelalter zahlreiche Neugründungen von Städten sowie Dörfern hinzu. Eine optimale topographische Lage, aber vor allem Handel und Gewerbe bildeten die wichtigsten Faktoren der mittelalterlichen Stadtentwicklung – und entschieden über Bedeutung, Reichtum und nicht zuletzt politische Macht einer Stadt.

Beispielhaft für diesen Prozess ist die Entstehung der norddeutschen Hanse. Aus einem Zusammenschluss von Kaufleuten, wie es ihn auch in anderen europäischen Regionen gab, erwuchs diese Hanse ab dem 14. Jahrhundert zu einer mächtigen Organisation. Zahlreiche Städte traten dem Bündnis bei, um gemeinsam die wirtschaftlichen Interessen ihrer Kaufleute zu wahren. Der politische wie ökonomische Einfluss der Hanse und ihrer Städte war beträchtlich. Auf einem Streifzug durch die Altstädte von Lübeck, Bremen, Brügge oder Visby lassen sich noch heute der Reichtum und das Selbstverständnis dieser mittelalterlichen Hansemetropolen erahnen.

Besonderes Kennzeichen der mittelalterlichen Städte war das aufstrebende Bürgertum, das sich als neuer gesellschaftlicher Stand etablierte und sich in der Lebensführung von den an Scholle und Grundherren gebundenen Bauern abhob. Der civis genoss zahlreiche Vorzüge, wie eine gewisse Teilhabe am politischen Dasein. Besonders attraktiv war die Freiheit gegenüber Grundherren – Stadtluft machte eben frei. Aber natürlich kannte das Bürgerleben auch Verpflichtungen, beispielsweise in Form von Steuerzahlungen, dem Ableisten von Wehrdienst oder anderen Aufgaben.

Zu den Bürgern der Stadt gehörten vornehmlich Handwerker, die hier wohnten, arbeiteten und vom Verkauf ihrer Erzeugnisse lebten. Mit ihrem Spezialkönnen reagierten die Handwerker auf die wachsenden Bedürfnisse der mittelalterlichen Gesellschaft. Zu ihnen gehörten beispielsweise Tuchmacher und Schneider für Damen- und Herrenbekleidung, Schuhmacher, Riemenschneider, verschiedene Bäcker- und Schmiedespezialisten, Maurer, Zimmerleute und Drechsler, Böttcher, Seiler, Brillenmacher, Fleischhauer und viele mehr. Die Bedeutung des Handwerks lässt sich daran ablesen, dass es ab dem Mittelalter als eigenständige Berufsgruppe angesehen wurde. Um als Handwerker arbeiten zu können, bedurfte es einer Ausbildung. Diese umfasste die Stadien Lehrjunge, Geselle, der für einige Jahre auf Wanderschaft ging, und konnte mit dem Erlangen des Meistertitels enden. Auch Frauen konnten in Handwerksberufen tätig sein, auch wenn ihnen das Bürgerrecht zumeist versagt blieb. Selbstbewusst schlossen sich die Handwerker des Mittelalters in Zünften zusammen. Die Satzungen dieser Verbände enthielten nicht nur strikte Vorgaben über Arbeits- und Ausbildungszeiten, sondern sahen auch die Absicherung von arbeitsunfähig gewordenen Kollegen oder die Versorgung von Witwen und Kindern verstorbener Mitglieder vor. In den Städten boten zudem auch Ärzte, Apotheker, Barbiere, Flößer, Totengräber, Wirte und viele andere Dienstleistungen verschiedener Art an. Und auch wenn ihr Tun offiziell als nicht schicklich galt, so fanden die Angebote von Dirnen, Musikanten und Komödianten oder Badern ebenfalls ihr Publikum.

Zu den Bewohnern der mittelalterlichen Stadt gehörten auch wohlhabende (Fern-)Kaufleute, die sich meist aufgrund ihres Besitzes und ihrer prachtvollen Selbstdarstellung von gewöhnlichen Bürgern abhoben. Noch heute sind Macht und Luxus der Kaufmannsfamilie Fugger und anderer „Pfeffersäcke“ legendär. Derart vermögende Kaufleute konnten schließlich zu Mitgliedern einer neuen städtischen Oberschicht aufsteigen, wo sie mit zugezogenen Adligen und Ministerialen das spätmittelalterliche Patriziat bildeten.

Doch gab es auch zeitgenössische Kritik an der urbanen Lebensweise. Diese kam in besonderem Maße von Seiten des Klerus, dessen Vertreter den Städtern Gottlosigkeit und Zügellosigkeit vorwarfen. Dennoch gehörte gelebte Frömmigkeit zum Alltag in einer mittelalterlichen Stadt. Vom Gottesdienst, über das Feiern zahlreicher religiöser Feste, das Abhalten beeindruckender Prozessionen und Durchführen von Vermählungen, Taufen und Bestattungen war der praktizierte Glaube integraler Bestandteil im Leben der Menschen. Christlichen Bettelorden, wie Dominikaner und Franziskaner, die sich in besonderer Weise einem Leben in Buße, Armut und schwerer Arbeit verpflichtet hatten, errichteten ihre Klöster ebenfalls im städtischen Raum – vielleicht als Gegenentwurf zum freizügigen und weltlichen Treiben vor Ort.

Auch Bettler, Tagelöhner und Gauner, reisende Gesellen oder mit Waren beladene Bauern der Umgebung gehörten zum Stadtbild. Sie weilten hier meist nur als Einwohner ohne Bürgerrecht oder waren schlichtweg Gäste – gebetene als auch ungebetene.

Spüren wir auf dieser Archäotechnica dem Leben zwischen Stadtmauer, Marktplatz und Kirchendach nach und begeben uns auf eine Reise in die mittelalterliche Stadt, einem bunten Schmelztiegel und abgegrenztem Raum zugleich.

Eintritt 5 € / erm. 3,50 € / Familien 10 € / Kinder unter 10 Jahren frei

Veranstalter

Archäologisches Landesmuseum Brandenburg
Neustädtische Heidestraße 28
14776 Brandenburg an der Havel

Preise

5 € normal
3,50 € ermäßigt, gelten für Schüler, Studenten, Auszubildende, Bundesfreiwilligen- und Wehrdienstleistende, Behinderte, Rentner, ALG I und II-Empfänger und Sozialhilfeempfänger

Veranstaltungsort

Paulikloster
Neustädtische Heidestraße 24
14776 Brandenburg an der Havel

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