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Originale

Land Brandenburg

Wohl alle größeren Städte des Landes haben sie – die Originale. Diese liebenswert verschrobenen, skurrilen, wunderlichen oder witzigen Figuren und Personen. Aus tatsächlich lebenden Menschen wurden im Lauf der Zeit durch mündliche Überlieferung und Hinzudichtung wahre Sagengestalten. Wohl jeder Interessierte kennt den Eckensteher Nante aus Berlin, das Sabinchen aus Treuenbrietzen, den Zickenschulze aus Bernau oder den Postkutscher aus Cottbus. Vielerorts ist den Originalen ein Denkmal, ein Brunnen oder ein Platz im Museum gewidmet. Viele Besucher der Städte interessieren sich gerade für diese Originale, die immer auch die Region bekannt machen und sie uns näherbringen. Auch die Stadt Brandenburg an der Havel besitzt einige Originale, deren Andenken in der Stadt gepflegt wird.

Stadt Brandenburg an der Havel

Bekanntestes Brandenburger Original ist der Barbier „Fritze“ Bollmann, der der Überlieferung nach bim Angeln im Beetzsee ertrunken sein soll, aber von Petrus wieder auf die Erde zurückgeschickt worden war. Friedrich Bollmann hat tatsächlich gelebt. Der 1852 in Salbke bei Magdeburg Geborene betrieb in der Altstadt ein kleines Friseurgeschäft. Von diesem konnte er mehr schlecht als recht sein Dasein fristen. Zur Aufbesserung der Speisekammer ging er auf dem nahegelegenen Beetzsee angeln. Die Kälte und der Kummer über sein schweres Los ließen ihn wohl auch gelegentlich zur Flasche greifen. Möglich, dass er so auch einmal aus dem Boot ins Wasser fiel. Menschen, die mit Fritze Bollmann im Streit standen, dichteten um 1890 ein Spottgedicht über ihn. Die Kinder verbreiteten die Schmähverse schnell, und ein windiger Geschäftsmann ließ das Gedicht auf Postkarten drucken. Schnell verbreiteten sich die Reime über ganz Deutschland. Touristen, Geschäftsleute und Soldaten schickten die Karten im ganzen Land umher. Fritze konnte dem Treiben keinen Einhalt gebieten, die Gesetze boten noch keinen Schutz der Persönlichkeit. So starb der Barbier „Fritze“ Bollmann im Jahre 1901. Ertrunken ist er nicht, der Zungenkrebs beendete sein Leben im Alter von erst 49 Jahren.

Sein Wohnhaus in der Altstadt existiert nicht mehr. In den sechziger Jahren wurde es wegen Baufälligkeit abgetragen. Aber die Brandenburger haben „ihren“ Fritze Bollmann nicht vergessen. 1925 schuf der Künstler Carl Lühnsdorf seine Brunnenfigur „Der Angler“, die die unverwechselbaren Züge des Barbiers trägt. Das Denkmal zierte einst die Badeanstalt am Grillendamm. Nach deren Ende wurde der Brunnen in die Hauptstraße versetzt, wo er beliebtes Fotomotiv und Start vieler Stadtführungen ist. Seit 2014 erinnert ein neues Denkmal an den Barbier aus Brandenburg. Auf dem Beetzsee, nahe der Regattastrecke, steht Fritze auf seinem umgekippten Kahn, die Angel noch in der Hand. Sein Grab auf dem Altstädtischen Friedhof wurde 1944 eingeebnet. Unweit der Grabstelle wurde aber vor einigen Jahren ein Gedenkstein errichtet.

Eine Stadt wie Brandenburg besitzt noch weitere Originale, die im Lauf der Jahre aber in Vergessenheit geraten sind oder von der Bekanntheit des Fritze Bollmann überstrahlt werden. Der Dom-Voss, Polizeiwachtmeister Joly, Vater Lennecke, Käse-Jumpel oder der Türmer Jörg Hönicke – sie alle haben als Figuren ihrer Zeit in der Stadt gewirkt und so manche Spuren hinterlassen.


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