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Chur- und Hauptstadt

Chur- und Hauptstadt

Land Brandenburg

Heute bezeichnet die Hauptstadt eines Landes den Sitz von Regierung und Verwaltungsbehörden, den Ort repräsentativer Handlungen des Staates und den Sitz ausländischer Repräsentanzen. Bis in das 19. Jahrhundert gab es in den meisten Staaten keine gesetzlich festgelegten Hauptstädte, so auch in Preußen und in der Mark. Mit der Übernahme der Herrschaft durch die Deutschen in der Mark Brandenburg 1157 gab es auch hier noch keine feste Hauptstadt.

Die Landesherren besaßen mehrere Höfe im Land, an denen sie zeitweilig residierten. Zum einen mussten die Landesherren in dieser Zeit noch physische Präsenz im gesamten Herrschaftsgebiet zeigen, um Probleme zu lösen und allen Regionen Anerkennung zu zollen, zum anderen konnten die noch relativ kleinen Städte und dünn besiedelten Gebiete den hunderte Köpfe starken Hofstaat nicht dauerhaft versorgen.

So wurde das Reisen für alle Landesherrscher eine Notwendigkeit, wenn eine Gegend „leergefressen“ war, zum nächsten Hof weiterzuziehen. Je nach politischen Zwängen oder persönlichem Geschmack bauten die Landesherren ihre Höfe aus oder ließen sie verkümmern, blieben länger oder kürzer an einem Ort. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde das günstig gelegene Tangermünde zu einem Hauptort ausgebaut. Die Hohenzollern, die 1415 (1417) die Macht in der Mark übernahmen, verlegten ihren Sitz weiter in das Zentrum ihres Machtbereiches – nach Berlin. Hier, und ab dem 18. Jahrhundert in Potsdam, bestanden fortan die Residenzen der brandenburgisch-preußischen Herrscher.

Stadt Brandenburg an der Havel

Wohl ab der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, spätestens seit 850/870 bestand auf einer Insel inmitten der Havel, auf der heutigen Dominsel, die bedeutendste Burg des slawischen Stammes der Stodoranen, die später von den Deutschen Heveller genannt wurden. Dieser Stamm, der hier seine Fürstenburg errichtet hatte, beherrschte über Jahrhunderte große Gebiete zwischen Elbe und Oder. Der Ort gehörte zu slawischer Zeit zu den bedeutendsten Orten zwischen Elbe und Oder. Das beweist die Tatsache, dass der Kriegszug König Heinrichs I. im Jahre 929 zuerst gegen die Brandenburg gerichtet war.

Die endgültige Unterwerfung der Slawenstämme zwischen Elbe und Oder konnte 1157 nur durch die Einnahme der Brandenburg erreicht werden. Die Übernahme des Namens der Burg für das gesamte Land ab 1157 ist ein Beleg für die herausragende Bedeutung des Ortes. Im Jahre 1170 bezeichnete der erste Markgraf von Brandenburg, Albrecht der Bär, Brandenburg als „vornehmste meiner Burgen“ und kaiserliche Kammer. 1197 erscheint die Stadt als „caput marchie“ (Haupt der Mark). Noch bis 1286 bestand ein markgräflicher Hof (später Pauli-Kloster) der askanischen Markgrafen. Unter der Herrschaft der Wittelsbacher und der Luxemburger verlor die Stadt an Bedeutung, trug aber später den Titel „Chur- und Hauptstadt“ der Mark Brandenburg, der 1521 von Kurfürst Joachim I. bestätigt wurde.

1531 wird die Stadt als „Hewbt Stett“ (Hauptstadt) bezeichnet. Die Bürger der Städte Brandenburg waren bei Festlichkeiten und in Kriegszügen immer direkt neben den Landesherren positioniert. Die Huldigungen neuer Landesherren wurden für die Kurmark immer in der Neustadt durchgeführt, die bis in das 16. Jahrhundert zu den finanzkräftigsten der Mark gehörte. Die Stadt war wegen ihrer Bedeutung stets Immediatsstadt, d.h. kreisunabhängig. Noch im Jahre 1715 bezeichnet König Friedrich Wilhelm Brandenburg als „Chur- und Hauptstadt“, worauf sich auch das 1929 erschienene Standardwerk zur Geschichte der Stadt in seinem Titel beruft.


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